Stell die Symbolik auf Kämpfen

Der 8. März ist weit mehr als ein symbolisches Datum im Kalender. Bekannt als Internationaler Frauentag, feministischer Kampftag oder „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“, erinnert er an die Kämpfe der Arbeiterinnenbewegung für Gleichberechtigung, bessere Arbeitsbedingungen und das Frauenwahlrecht. Wer glaubt, dieser Tag sei heute überflüssig, irrt gewaltig. Die Herausforderungen haben sich gewandelt, doch die Notwendigkeit bleibt.

Die Frage nach dem Männertag – ein entwertendes Ablenkungsmanöver

Kaum kündigt sich der Weltfrauentag an, ertönt aus bestimmten Ecken zuverlässig die Frage: „Und wann ist Männertag?“ – als wäre diese Gegenfrage ein valider Beitrag zur Debatte. Dabei gibt es mit dem 19. November bereits einen Internationalen Männertag. Dass dieser Tag außerhalb antifeministischer Kreise kaum thematisiert wird, scheint die Fragenden jedoch wenig zu kümmern. Dieses Verhalten ist entwertend, denn es verfehlt die eigentliche Botschaft des Weltfrauentags und versucht, die Aufmerksamkeit von strukturellen Problemen abzulenken, die Frauen täglich betreffen. Es geht nicht darum, ein Geschlecht gegen das andere auszuspielen, sondern darum, bestehende Ungerechtigkeiten anzuerkennen und zu bekämpfen. Wer die Frage nach dem „Männertag“ stellt, signalisiert oft, dass er die Notwendigkeit des Weltfrauentags nicht ernst nimmt – und das ist Teil des Problems.

Warum der Weltfrauentag immer noch wichtig ist

Die Realität zeigt: Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen bestehen weiterhin. Frauen sind weltweit überproportional von Gewalt betroffen, und auch in Deutschland stoßen sie in Führungspositionen oft an eine gläserne Decke. Der Weltfrauentag macht diese Ungerechtigkeiten sichtbar und ruft dazu auf, nicht nachzulassen, bis echte Gleichberechtigung erreicht ist.

Auch die Sprache spiegelt den langen Weg wider, der noch vor uns liegt: Begriffe wie „Mansplaining“, „Femizid“ oder „Gläserne Decke“ sind keine leeren Schlagworte, sondern beschreiben reale Erfahrungen und strukturelle Probleme. Der Weltfrauentag erinnert uns daran, dass Frauenrechte Menschenrechte sind – und dass der Kampf für diese Rechte jeden Tag geführt werden muss.

Warum Männer den Weltfrauentag unterstützen sollten

Es geht nicht um bloße Solidarität, sondern um Gerechtigkeit. Männer, die sich für Frauenrechte einsetzen, tragen aktiv dazu bei, patriarchale Strukturen zu hinterfragen und abzubauen. Unterstützung bedeutet nicht, sich selbst in den Vordergrund zu drängen, sondern zuzuhören, Räume zu schaffen und die eigenen Privilegien zu reflektieren. Aus eigener Erfahrung – seit einigen Jahren koche ich für Veranstaltungen zum Weltfrauentag – weiß ich, wie wichtig es ist, diesen Tag aktiv mitzugestalten. Es geht darum zu zeigen, dass Gleichberechtigung kein Nischenthema ist, sondern die gesamte Gesellschaft betrifft.

Ein feministischer Anspruch sollte nicht nur ein Anliegen von Frauen sein. Wenn Männer sich als Verbündete verstehen, können sie ihren Einfluss nutzen, um Veränderungen anzustoßen – sei es in Unternehmen, in der Politik oder im privaten Umfeld. Dabei geht es auch darum, stereotype Rollenbilder zu hinterfragen, die letztlich auch Männer einschränken.

Ein Tag für alle Geschlechter

Der Weltfrauentag ist kein Angriff auf Männer, sondern ein Appell an die gesamte Gesellschaft. Patriarchale Strukturen schaden letztlich allen Geschlechtern – und das zu erkennen, ist der erste Schritt zur Veränderung. Wenn wir am 8. März zusammenkommen, dann nicht nur, um zu erinnern, sondern um zu handeln. Für eine gerechtere, solidarische und antifaschistische Gesellschaft.

Dieser Tag ist ein Versprechen: Wir geben uns nicht mit dem Status quo zufrieden. Es liegt an uns allen, dieses Versprechen einzulösen – jeden Tag aufs Neue.

Ähnliche Beiträge

  • #erdbeerfeldererhalten

    Wir müssen lokale Ressourcen und Natur so gut es geht schützen und erhalten. Gewerbeflächen können auch auf bereits versiegelten Flächen entstehen. Für Remscheid, und da in erster Linie für Lennep, sind Flächenneuversiegelungen in einem irrwitzigen Maßstab geplant, obwohl alle Umweltfakten schon pauschal dagegen sprechen, und unter Berücksichtigung der lokalen Umweltfaktoren sogar dagegen schreien. Umdenken, so…

  • Diversität ist die Antwort

    Diversität ist nicht das Problem – sie ist die Lösung. Wer Diversität als Störfaktor begreift, übersieht: Es sind nicht queere, migrantische oder behinderte Menschen, die unsere Gesellschaft überfordern – es ist die Angst vor Veränderung, vor Kontrollverlust, vor Gleichwertigkeit. Diversität ist keine Schwäche, sondern eine Stärke. Sie schafft Innovation, Gerechtigkeit und Zusammenhalt – nicht trotz,…

  • Menschenwürde schützen

    Gestern fand das 1. Planungstreffen für die Internationalen Wochen gegen Rassismus 2025 statt, die unter dem Motto „Menschenwürde schützen“ stehen. Julia Albowski von @remscheidtolerant wird die Wochen gemeinsam mit #NRWeltoffen koordinieren, danke für eure Unterstützung! Menschenwürde schützen ist eine wichtige, gesamtgesellschaftliche Aufgabe, ganz besonders jetzt wo Rassismus („Sicherheitspaket“), Misogynie und Queerfeindlichkeit von Rechtspopulist*innen vorangetrieben werden….

  • |

    Gegen das Verweilverbot

    Am 24. April 2026 fand in Lennep eine Demo gegen das Verweilverbot statt. Das war mein Redebeitrag. Liebe Remscheider*innen, liebe Genervte, liebe Verarschten, heute stehen wir hier, weil die Politik beschlossen hat: Jugendliche sind das Problem. Nicht die Rasenden, die unsere Straßen in Rennstrecken verwandeln. Nicht die Investoren, die unsere Altstadt für ein lächerliches Outlet…

  • Frisch bleiben mit der Aidshilfe

    Gestern habe ich bei der Aidshilfe einen Auffrischungskurs zu HIV und Aids besucht – und mein Wissen wurde dabei ordentlich aufgefrischt. Spannend zu erfahren: Aids wird heute wie eine chronische Krankheit behandelt, im Alltag besteht keine Ansteckungsgefahr, und um junge Menschen besser zu erreichen, spricht man inzwischen eher von „Pussy Juice“ als von „Vaginalflüssigkeit“ oder…

Schreibe einen Kommentar