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Satansbanner beim CSD Remscheid?

Was wirklich hinter dem angeblichen „Satansbanner“ bei den CSDs steckt.

Die selbsternannten Sittenwächter von Pro Remscheid behaupten öffentlich, beim CSD Remscheid sei ein „sechsfarbiges Satansbanner“ gezeigt worden – gemeint ist damit eine Regenbogenflagge mit dem Symbol des Satanic Temple (TST). Diese Darstellung ist kein Versehen, sondern gezielte Hetze. Wer so redet, versucht, queere Menschen zu dämonisieren und gleichzeitig antireligiöse oder säkulare Stimmen zu diskreditieren.

Tatsache ist: Die Regenbogenflagge steht weltweit für Sichtbarkeit, Stolz und Gleichberechtigung von LGBTQIA+-Menschen. Seit Jahrzehnten ist sie ein Symbol für Vielfalt und gegen Diskriminierung – und das ganz unabhängig von Weltanschauung oder Religionszugehörigkeit.

Vielfalt statt Einfalt

Der Satanic Temple (TST), dessen Symbol manche queere Aktivist*innen auf die Regenbogenflagge gesetzt haben, ist keine Religion im klassischen Sinne und kein „Teufelskult“. TST ist eine atheistische, rechtsstaatlich organisierte Bewegung, die sich für Grundrechte, körperliche Selbstbestimmung, Trennung von Kirche und Staat sowie gegen religiös motivierte Diskriminierung einsetzt. Viele queere Menschen erleben religiöse Dogmen nicht als Schutz, sondern als Quelle von Ausgrenzung und Gewalt. Dass einige sich dann auf eine Organisation wie TST beziehen, ist eine bewusste, empowernde Abgrenzung – keine Anbetung, sondern Widerstand.

Pro Remscheid verdreht das gezielt. Aus einer säkularen, politischen Botschaft wird in ihrer Lesart ein Angriff auf Religion, aus einem Zeichen für Vielfalt wird ein Symbol des Bösen. Dieses Framing bedient bewusst alte Verschwörungsnarrative, die queere Menschen als Gefahr inszenieren sollen – mit Begriffen wie „Kinderschutz“, „Tradition“ oder eben „Satan“, die in diesem Zusammenhang nichts mit Realität, aber viel mit gezielter Entmenschlichung zu tun haben.

Queere Menschen sind Teil der Gesellschaft.
Nazis nicht.

Wer so argumentiert, verbreitet keine Meinung, sondern Hass mit Kalkül. Die wiederholten Versuche, queere Sichtbarkeit mit Satanismus, Perversion oder Extremismus gleichzusetzen, erinnern an finsterste Zeiten der Diskriminierung. Es sind genau solche rhetorischen Strategien, die Gewalt schüren, Ausgrenzung legitimieren und demokratischen Diskurs vergiften.

Queere Menschen sind Teil dieser Gesellschaft – mit dem gleichen Recht auf Sichtbarkeit, Würde und Selbstbestimmung wie alle anderen. Dass ihnen dieses Recht ausgerechnet von denen abgesprochen wird, die sich als „patriotisch“, „christlich“ oder „bürgernah“ inszenieren, zeigt, mit welchen Werten wir es hier tatsächlich zu tun haben.

Was Pro Remscheid betreibt, ist keine Diskussion – es ist Desinformation auf unterstem Niveau. Die Gruppierung spekuliert darauf, dass ihre Anhängerschaft keine Fakten prüft, sondern bereitwillig jede Form von queerfeindlicher Stimmungsmache übernimmt – Hauptsache, sie bedient bestehende Ressentiments. Es geht nicht um Religion, nicht um Werte, nicht um Kinder oder Tradition. Es geht um ein Weltbild, das auf Ausgrenzung, Feindbildern und autoritärem Denken basiert.

Und genau deshalb ist es so wichtig, dieser Hetze konsequent und laut entgegenzutreten. #nazisraus

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